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Village

Village
Viele Kleinstädte unseres Landes sind im sogenannten Mittelalter entstanden. Sie sind heute also bereits etliche hundert Jahre alt. Damals herrschten unruhige und - was noch schlimmer war - unsichere Zeiten. Besonders die Bewohner unseres flachen Mittellandes hatten viel Leid zu erdulden. Kein Wunder, wenn damals reiche Ritter, Grafen oder Herzöge daran dachten, ihre Untertanen zu schützen. So befahl manch einer seinen Dienstleuten, sie sollten feste Orte bauen, in denen es sich so sicher leben liesse, wie in der durch Mauer und Turm geschützten Burg, in der er selbst hauste.

Die Baumeister der kleinen Städte gingen dann fast alle nach dem gleichen Rezept vor. Sie bildeten aus den Wohnhäusern lange Zeilen und stellten diese im Rund oder im Geviert um einen stattlichen Platz herum auf. Die Stadteingänge, meist waren es nicht mehr als zwei, sicherten sie durch bewachte Tore. In der Mitte des Platzes wurde nicht selten das Gotteshaus errichtet. Die Bewohner solcher Städte nannten sich nicht ohne Stolz Bürger, in der älteren Schreibform sogar «Burger». Dieses Wort kommt bestimmt vom Ausdruck «Burg» her. So sicher geborgen wie Burgbewohner fühlten sie sich nämlich. Die nach innen offene Stadt erlaubte es dieser zudem, in Zeiten der Not allen Nachbarn vom Lande Zuflucht zu gewähren. Es war den Burgern vielleicht gar nicht so unwillkommen, wenn jeweils zahlreiche Bauern mit Vieh und vollen Karren im Häuserring Schutz begehrten, brachten diese für den Fall einer Belagerung doch ansehnliche Vorräte aller Art mit.

Um aber einer Belagerung wirklich trotzen zu können, hatte man von Anfang an die Aussenseiten der Häuser entsprechend gestaltet. Die untersten Stockwerke zeigten keine oder dann nur schlitzartige, schmale Fenster. Ein Eindringen war ohne besondere Hilfsmittel (z. B. Leitern) ausgeschlossen. Um auch das Anlegen solcher Leitern zu verhindern, umgab man vielfach die Stadt mit einem Wassergraben.

Heute kommt uns manche Kleinstadt freilich eng vor. Den gegenwärtigen Verkehr vermag sie kaum mehr zu schlucken. Damals aber, als sie erbaut wurde, fühlten sich ihre Bewohner nicht nur sicher und geborgen hinter ihrem Häuserwall. Sie kamen sich sogar recht frei vor. Und mancher Bauernsohn träumte von nichts mehr, als von einem «ungesorgten» Leben in ihren Mauern, besass man doch in früherer Zeit als Stadtburger besonders viele Rechte. In jenen Jahren wurde ein sonderbares Wort geprägt, das wir heute kaum mehr verstehen: «Stadtluft macht frei».
Autor: Heinrich Pfenninger
Selbständige Einzelteile: 15
Schwierigkeitsgrad: ab 8 Jahren
Sprache: d
Massstab: 1:300
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